Liebes Tagebuch,
findest du nicht auch manchmal, dass Geld eine ziemlich dumme Erfindung ist? Geld sorgt doch nur dafür, dass Leute Dinge tun, die sie ohne Geld nie tun würden. Geld bzw. die Gier danach sorgt dafür, dass ich eine grandiose CD, die ich gekauft habe, nicht ohne weiteres an jemanden weitergeben darf, dafür, dass von den teilweise verflucht teuren Konzertkarten beinahe gar nichts mehr bei den Bands sondern der Großteil bei den Plattenfirmen landet, die eigentlich gar nicht mehr so viel mit der Musik zu tun haben wie noch vor einigen Jahren (danke, Internet!), dafür, dass Leute nicht mehr Musik machen, weil sie glauben, sie hätten etwas zu sagen, irgendetwas weiterzugeben, sondern weil sie sich dadurch noch einen Porsche vor der Tür erhoffen.
Ich hörte neulich, dass sich Tokio Hotel vielleicht auflösen wollen. Ob da ein Produzent den Jungs und Mädels der “Band” den Floh ins Ohr gesetzt hat, dass man damit ja noch viel mehr Platten verkaufen könnte, oder ob da tatsächlich wer aus dem Kinderwagen kippeln will ist eigentlich relativ egal. So oder so, die nächsten Konzerte werden (noch) besser besucht sein, die nächsten Singles (nicht Platten, das bleibt uns wohl noch etwas erspart) werden (noch) besser verkauft, das Ego der “Band” steigt weiter ins Unermessliche und die himmelschreiende Verzweiflung der Fans, wenn dann doch einmal ganz plötzlich alles vorbei ist, wird noch viel größer sein.
Warum ich hier so ‘rummeckere, liebes Tagebuch? Weil es so verflucht viele gute Bands gibt, die das Pech haben, nie entdeckt zu werden, weil der Markt sich gerade mit dem nächsten überproduzierten Hiphop-Dance-Soul-Crossover die Taschen vollscheffelt. Weil es so verflucht viele gute Bands gibt, die dann irgendwann aufgeben, weil sie sowieso nichts erreichen können. Weil die deutsche Musikwelt dann jammert, dass es ja nichts mehr auf dem Markt gäbe, das an Originalität hundert Meter Autobahn übertrifft. Weil eine Band wie
Peilomat, die ich gestern in Krefeld als Vorband von
Krezip hören durfte, im Gewurschtel des Mainstreams untergeht. Oder untergehen kann.
Was, liebes Tagebuch, was tun wir dagegen? Musik hören. Kleine, unbekannte Musik von unbekannten Bands, die es verdient haben, gehört zu werden, die es verdient haben, weiterempfohlen zu werden, die es verdient haben vor einem Stadion von jubelnden Menschen zu stehen, weil sie es sich erarbeitet haben und nicht, weil sie ins aktuelle Bild von Teenie-Idolen passen, mit denen man – sic! – Geld verdienen kann.
Ach, liebes Tagebuch, Musik ist schon etwas Schönes. Wenn sie ehrlich ist.
Dennis